Rezension – „Lenormand der goldenen Zeit“

Ich persönlich habe selten ein Lenormand-Kartendeck gesehen, welches so einfach gestrickt war und doch in der Symbolik so stark auf die religiöse Richtung verändert wurde, als dieses Deck „Lenormand der goldenen Zeit“ von Udo Golfmann.

Gleich zu Beginn, ich habe selten eine Rezension geschrieben, die so negativ ausfällt.

Zum einen sind die Symbole schrecklich einfach, aber sehr naiv und albern gestaltet. Zum Zweiten wird in dem Deck ein schreckliches Rollenklischee gewürdigt.

Der Frau schiebt man die eher negativ geprägten Karten zu: Zum Beispiel: Die Schlange. Schrecklicher geht es nicht. Die Schlange wird gemeinsam mit einer Frau gezeigt, in deren Hintergrund ein Baum steht, um dessen sehr schlecht gezeichneten Ast/Stamm sich eine (noch schlechter gezeichnete) Schlange windet.

Die dunkel gezeichnete Seite der Schlange ist der Frau zugewandt, die helle Seite zeigt von der Frau weg. Die Dame hat einen Apfel in der Hand und überlegt wohl, ob sie ihn verspeisen möchte oder nicht. Sorry, aber hier wird ganz klar Eva gezeigt.

Nun frage ich mich ganz ernsthaft: Wie kam Eva damals an einen knallroten Lippenstift und zu wasserstoffblondem oder eher gelbem Haar? Ich vermute eher, man will damit die Rolle der Verführerin und des negativen Einflusses einmal wieder der Frau zuordnen.

Das Nächste ist die kitschige Aufmachung der Bilder und Symbole. Ich habe selten solch ein wirres Deck gesehen. Der Autor der Karten scheint mir einiges an oberflächlichem Wissen zu haben, aber das war es auch schon. Seine Zuordnungen der Erzengel zu diversen Karten zeigt deutlich, dass hier zwar eine oberflächliche Information da ist, die aber von wenig tiefen Wissen gestützt wird.

Der Hund wird als Erzengel Raguel dargestellt: Die Zuordnung von Erzengel Raguel zur Karte der Hund wirkt ungewöhnlich, da Raguel traditionell für Harmonie und Gerechtigkeit steht, während der Hund im Lenormand für Treue und Freundschaft steht. Und so geht es auch mit den anderen Engelszuordnungen. Hier hat jemand ein oberflächliches Wissen, und sortiert nach Gutdünken, Nichtwissen und Vermutungen, die Erzengel zu.

Der Sarg und Erzengel Azrael: Klischee statt Tiefe

Dass der Ersteller Erzengel Azrael der Karte „Der Sarg“ zuordnet, setzt dem Ganzen die Krone auf. Hier wurde offensichtlich nach dem simpelsten Schlagwort-Prinzip verfahren: Sarg gleich Tod, also Azrael.

Dabei übersieht er völlig:

  • Die wahre Bedeutung: Im Lenormand steht der Sarg für Transformation und das Ende einer Phase, nicht für den physischen Tod. Der Sarg fordert dich auf, auch das Positive in deiner Situation zu sehen, es geht um Wandel und Transformation, aber doch nicht einfach um den Tod.
  • Das Halbwissen: Diese Zuordnung ist so phantasielos und klischeehaft, dass sie die eigentliche Tiefe der Karte zementiert, statt sie zu erklären.
  • Das Fazit: Es ist das perfekte Beispiel für das „goldene Elend“. Angesichts dieser plumpen Instrumentalisierung ihrer Symbole würde Madame Lenormand sich im Grabe umdrehen!

Mein persönlicher Kitsch-Favorit ist die Karte Nr. 14, der Fuchs:

Hier wurde eine Gans mit ins Bild gezaubert, und ich hatte sofort die Melodie von „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ im Kopf. Ein Kinderlied, und auch dies zeigt, wie einfach hier an die Umsetzung herangegangen wurde. Es zeigt jedoch auch, wie falsch hier die Karten tatsächlich interpretiert werden. Es wurden eigene Lebensphilosophien und Vorlieben verarbeitet, die Frau wurde als negativ abgewertet, der Fuchs als die personifizierte Falschheit und der DIEB.

Ich frage mich echt, wer hier der Dieb ist!

Mein Fazit: Hier hat jemand versucht, die Karten-Symbolik eines anderen (in diesem Fall Madame Lenormand) in seine eigenen christlichen Glaubensvorstellungen zu zwängeln und das Ganze mit Halbwissen zu garnieren. Er ist dabei kläglich gescheitert.

Wenn man die Symbole eines über Jahrhunderte gewachsenen Systems so radikal umdeutet, beraubt man die Karten ihrer klaren Sprache. Es ist dann kein Lenormand mehr, sondern ein privates Orakel, das unter falschem Namen verkauft wird.

Was mich besonders stört, ist die Rolle, die man in diesem Deck der Frau zuweist. Ein Schelm, wer hierbei Böses denkt, da DER Ersteller dieser Kunstwerke männlich ist. 🙂

Bei manchen Karten schreien die Farben regelrecht und stören den Energiefluss, und bei einigen Karten erdrücken dunkle, finstere Farben die Intuition. Für mich schwingt gefühlt sogar eine sehr dunkle Energie durch die Karten.

Für Menschen, die das Spielerische und den Kitsch mögen, mag dieses Deck positiv sein. Auch für Menschen, die stark mit Gott und den Engeln verbunden sind, mag das Deck erfüllend sein – oder für Anhänger des Erschaffers der Karten. Für mich jedoch ist es keine Option, da hier das ursprüngliche Lenormand-Deck mit zu viel Unwahrheiten und Unwissen verwässert wurde. Das Lenormand ist ein Deck mit sehr viel uralter Wahrheit und mit viel gespeichertem Wissen; es so zu verändern, hat dieses Deck einfach nicht verdient. Ich bekam dieses Deck geschenkt, sebst hätte ich es niemals gekauft.

Ich mag es niemandem weiterschenken, da es auf völlig falsche Wege weist, daher wird es im Altpapier entsorgt werden.

Und zum Abschluss gebe ich euch noch eine kleine Dosis Kitsch mit auf den Weg 🙂

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